Blutegeltherapie
Blutegel – ein lebendes Medikament

Geschichte

Erste Anwendungen gab es sehr wahrscheinlich bereits in der Steinzeit. In Indien, China und Japan werden Blutegel seit mehr als 2000 Jahren eingesetzt. Seit dem 16 Jahrhundert ist diese Therapie in Deutschland bekannt. Durch übertriebene Anwendung (Vampyrismus .Bis zu Hundert Egel pro Patient!!)
im 18./19. Jahrhundert aufgetretene Todesfälle hatten die Blutegeltherapie in Verruf gebracht.

Herkunft

Blutegel für medizinische Zwecke stammen heute aus wissenschaftlich sorgfältig kontrollierten Fanggebieten und Zuchtstationen. Alles unterliegt den strengen gesetzlichen Bestimmungen für Arzneimittel. Die Tiere sind regelrechte lebende Apotheken und bieten uns eine erstaunlich breitgefächerte medizinische Heilkraft.
Die moderne Biochemie hat so viele Wirksubstanzen und deren Wirkmechanismen im Blutegelspeichel aufgeklärt, dass die Vermutung, die Heilwirkung der Blutegel sei mittelalterlicher Aberglaube, selbst ins Reich des Aberglaubens fällt.

Wirkungen

Direkt am Krankheitsherd angewendet sondern sie mehrere Wirkstoffe ab. Diese wirken gerinnungshemmend, gefäßkrampflösend, schmerzstillend, lymphstrombeschleunigend, blutreinigend, antithrombotisch, durchblutungssteigernd, entgiftend, beruhigend, immunisierend und entzündungshemmend.

Indikationen

Der Egel kann linderung bei oberflächlicher Venenentzündung, Ödem, Unterschenkelgeschwür, Bluterguss, Hämorrhoiden Furunkel und Karbunkel.
Erfolge erzielt wurden ebenfalls bei Mittelohrentzündungen, Sinnusitis (Nebenhöhlenentzündung), Tinnitus (Ohrengeräusche), Hypertonie (Bluthochdruck), Nierenerkrankungen, bei Gichtanfall (sofortige Schmerzlinderung möglich !) , Dysmenorrhoe (Regelschmerzen), Migräne/Spannungskopfschmerz, und Weichteilrheumatismus.

Anwendung

Die Therapie verläuft denkbar einfach: Zunächst wird der Blutegel (Max. 8 pro Person) mit einem kleinen Gefäß an der zu behandelnden Stelle platziert. Sein Biss ist ausgesprochen schmerzarm, vermutlich verwendet das Tier ein lokal wirksames Betäubungsmittel. Dann saugt er sich 20 – 60 Minuten lang voll und fällt ab, nachdem er rund 6 Milliliter Blut aufgenommen hat. Während der therapeutisch wichtigen Nachblutungsphase entfaltet sich die volle Heilwirkung. Blutverlust ca. 20 – 40 ml pro Egel inkl. Nachblutung, die bis zu 24 h andauern kann.

Die wichtigsten Kontraindikationen

Bluterkrankungen, Blutgerinnungsstörungen (auch medikamentös, z.B. Makumar) Krampfaderknoten und Hauterkrankungen an den Applikationsorten.
Infektionsgefahr durch Blutegel
Krankheitsübertragung, Infektionsgefahr AIDS. Daher ist eine zweimalige Verwendung des Blutegels zu medizinischen Zwecken strengstens verboten.

Risiken

Sehr selten auftretende Primärinfektionen, eher so genannte Sekundärinfektion der Biss-Stelle durch kratzen des Behandelten.

Nebenwirkungen

Gelegentlich unangenehme, aber unschädliche Lympknotenschwellung(en)

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